Nur langsam aus der Krise
04.02.2010 - 07:17 Uhr - Siegen. Die Erholung der Konjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) kommt langsam voran. Für die nächsten Monate erwarten die Unternehmen aber, dass sich der leichte Aufwärtstrend stabilisiert. Teile der regionalen Wirtschaft bleiben im Schlagschatten der Wirtschaftskrise. So fassten IHK-Präsident Klaus Th. Vetter und Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage zusammen, an der sich 550 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.
Gegenüber dem Herbst fallen die Einschätzungen der Unternehmen etwas besser aus. Dabei hat sich die Beurteilung der aktuellen Lage kaum verändert, die Erwartungen für die nächsten Monate deuten allerdings auf eine Entspannung hin, so Klaus Th. Vetter. Der Konjunkturindikator, der Lageeinschätzungen und Erwartungen der Firmen über alle Wirtschaftsbranchen zusammenfasst, hat sich seit dem Herbst leicht von 83 auf 86 Punkte verbessert. Noch vor drei Jahren, im Januar 2007, stand er auf dem Rekordhoch von 131 Punkten. Allerdings war er zum Jahresanfang 2009 auch auf 70 Punkte abgesackt.
„Noch ist es zu früh, um Entwarnung zu geben. Ein stabiler, selbsttragender und vor allem aber ein schneller Aufschwung ist noch nicht erkennbar“, so Mockenhaupt. Dafür fehle es dem für die gesamte regionale Wirtschaft wichtigen industriellen Auftragseingang noch an Dynamik und Nachhaltigkeit. Über dem privaten Konsum schwebe das Damoklesschwert eines schwachen Arbeitsmarktes im Jahr 2010.
In drei von fünf Wirtschaftsbereichen, beim Bau, im Einzelhandel und beim Großhandel, hat sich die Lage verschlechtert. In der Industrie ist sie seit August 2009 unverändert und nur der Dienstleistungssektor beurteilt seine derzeitige Wirtschaftslage deutlich besser als im Herbst. Für die nächsten zwölf Monate sind die Erwartungen von Großhandel, Bauunternehmen und Dienstleistern eher verhalten. Von einem niedrigen Niveau aus verbessern sich die Aussichten des Einzelhandels. Gut für die Region ist, dass auch in weiten Teilen der Industrie die Erwartungen besser geworden sind. Immerhin arbeitet fast jeder zweite Beschäftigte direkt in diesem Sektor. Sorgenkind bleibt allerdings der Maschinenbau. Wegen des anhaltend niedrigen Auftragseingangs beurteilen die Unternehmen die weitere Entwicklung skeptisch.
Die Umsatzentwicklung der Industrie war 2009 enttäuschend. Bis zum November gab es über alle Industriebranchen hinweg Einbußen von durchschnittlich 19 Prozent. Statt 12,9 Mrd. Euro 2008 wurden 2009 nur noch 10,4 Mrd. Euro Umsatz erzielt. Den Betrieben fehlen fast 2,5 Mrd. Umsatzerlöse. Dieser Schock wirkt nach und muss zunächst einmal verdaut werden. Für die weitere Entwicklung der Industriekonjunktur ist entscheidend wie sich die wichtigsten Auslandsmärkte entwickeln. Hier liegen die Hoffnungen vor allem auf den Wachstumsmärkten China und Indien. Die Inlandsnachfrage beurteilen die Industrieunternehmen noch sehr zurückhaltend. Risiken sehen sie in steigenden Energie- und Rohstoffpreisen auf der einen und dem Preisdruck der Abnehmer auf der anderen Seite.
Verhalten ist der Ausblick der Bauunternehmen. Über ein Drittel geht von schlechteren Geschäften im Laufe des Jahres aus. Die Unternehmen leiden darunter, dass der Wirtschaftsbau zum Erliegen gekommen ist. Nach einem ordentlichen Weihnachtsgeschäft ist im Einzelhandel wieder Ernüchterung eingekehrt. Die Händler treibt die Sorge um, dass ein schwächelnder Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten auf die Konsumneigung durchschlägt.
Bisher konnten die Auswirkungen der Konjunkturkrise auf den Arbeitsmarkt wegen der Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes auf ein Minimum reduziert werden. Die Verlängerung der Bezugsfrist für das Kurzarbeitergeld ist nach Auffassung von IHK-Präsident Klaus Th. Vetter deshalb genau richtig. „Ob allerdings der Druck aus der anhaltenden Schwäche des Auftragseinganges völlig ohne Auswirkung auf den Arbeitsmarkt bleibt, ist offen“, so IHK-Präsident Klaus Th. Vetter. Er begrüßt ausdrücklich die flexible Haltung der Gewerkschaften bei der Verabredung von Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigung im vergangen Jahr und geht davon aus, dass auch bei den anstehenden Tarifverhandlungen Lohnabschlüsse erzielt werden, die der Ausnahmesituation gerecht werden. Dies würde den Unternehmen dabei helfen, die Stammbelegschaft zu halten.
Eine allgemeine Kreditklemme hat die IHK in ihrer Umfrage bei den Unternehmen nicht feststellen können. Zwar klagt jeder vierte Betrieb über schlechtere Finanzierungskonditionen und die Unternehmen befürchten darüber hinaus, dass die schlechten Jahresabschlüsse 2009 diese Situation nicht grundlegend ins Positive wenden. Existenzgefährdend stufen die Unternehmen diese Situation allerdings nicht ein.

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